Kursinhalte

Das kindliche Gehirn – Entwicklung in Bewegung
Das kindliche Gehirn ist kein kleines Erwachsenengehirn. Es befindet sich in einem kontinuierlichen Reifungs- und Anpassungsprozess, in dem Erfahrungen, Beziehungen, körperliche Entwicklung und Umweltbedingungen eine wichtige Rolle spielen.
Neuronale Netzwerke entstehen und verändern sich, Fähigkeiten zur Aufmerksamkeit und Selbstregulation entwickeln sich schrittweise und das Nervensystem lernt fortlaufend, auf Anforderungen und Reize zu reagieren.
Doch was braucht das kindliche Gehirn für eine gesunde Entwicklung? Was unterstützt seine Lern- und Anpassungsfähigkeit – und welche Faktoren können Entwicklung und Regulation belasten?
Dieser zweitägige Online-Kurs vermittelt fundiertes und zugleich verständliches Wissen über die Entwicklung des kindlichen Gehirns. Dabei verbinden wir neurobiologische Grundlagen mit wichtigen Einflüssen aus Beziehung, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stress, Umwelt und digitaler Lebenswelt.
Wie das kindliche Gehirn reift und lernt
Kindheit und Jugend sind von tiefgreifenden Veränderungen des Nervensystems geprägt. Nervenzellen bilden Verbindungen, neuronale Netzwerke werden aufgebaut, verstärkt, angepasst oder zurückgebildet.
Im Kurs beschäftigen wir uns mit den Grundlagen dieser Prozesse sowie mit Neuroplastizität und sensiblen Entwicklungsphasen. Auch BDNF und seine Bedeutung für neuronale Anpassungs- und Lernprozesse werden verständlich eingeordnet.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Reifung des präfrontalen Cortex und seiner Bedeutung für Aufmerksamkeit, Planung, Impulskontrolle und Selbststeuerung. Dieses Wissen hilft dabei, kindliches Verhalten entwicklungsbezogen einzuordnen und besser zu verstehen, warum sich diese Fähigkeiten erst schrittweise entwickeln.
Beziehung und Regulation
Kinder entwickeln die Fähigkeit zur Regulation nicht allein. Bindung, verlässliche Bezugspersonen und soziale Sicherheit beeinflussen, wie ein Kind lernt, mit Stress, Emotionen und neuen Herausforderungen umzugehen.
Wir betrachten die Bedeutung von Bindung und Co-Regulation und gehen der Frage nach, wie aus der zunächst stark unterstützten Regulation zunehmend eigene Strategien zur Selbstregulation entstehen.
Was Entwicklung stärkt
Viele wichtige Entwicklungsimpulse entstehen durch grundlegende Erfahrungen im Alltag. Dazu gehören ausreichender Schlaf und stabile Tagesrhythmen, Bewegung, freies Spiel, Naturerfahrungen, Sprache, Musik, Kreativität und soziale Interaktion.
Wir betrachten, warum diese Faktoren für Gehirn und Nervensystem bedeutsam sind und wie Aktivität, Lernen, Beziehung und Erholung eine gesunde Entwicklung unterstützen können.
Wenn Belastung zum Dauerzustand wird
Stress gehört zum Leben und ist nicht grundsätzlich problematisch. Fehlen jedoch ausreichende Erholungs- und Regulationsmöglichkeiten, können anhaltender Stress, Schlaf- und Bewegungsmangel, Reizüberflutung oder dauerhafte Überforderung zu Belastungsfaktoren werden.
Im Kurs betrachten wir, wie das kindliche Stress- und Regulationssystem darauf reagieren kann und warum sich Belastungen bei Kindern ganz unterschiedlich zeigen können.

Ernährung, Darm und Gehirn
Gehirnentwicklung benötigt Energie und eine ausreichende Nährstoffversorgung. Gleichzeitig bestehen enge Wechselwirkungen zwischen Verdauungssystem, Immunsystem und Nervensystem.
Der Kurs vermittelt Grundlagen zur Darm-Hirn-Achse, zum Mikrobiom sowie zu immunologischen und entzündlichen Prozessen. Wir betrachten außerdem die Bedeutung von Proteinen, hochwertigen Fetten, komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen sowie ausgewählter Mikronährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Zink, Magnesium, Jod, Vitamin D und B-Vitaminen.
Auch Mahlzeitenrhythmus, Flüssigkeitszufuhr und Blutzuckerregulation werden berücksichtigt. Ernährung verstehen wir dabei als einen wichtigen Baustein innerhalb eines größeren Gesamtbildes, nicht als alleinige Erklärung für Konzentrations-, Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten.
Digitale Lebenswelt – Aufmerksamkeit, Belohnung und Schlaf
Smartphone, Gaming, Streaming und soziale Medien gehören heute selbstverständlich zur Lebenswelt vieler Kinder und Jugendlicher. Entscheidend ist daher weniger eine pauschale Bewertung als die Frage, wie Inhalte, Dauer und Zeitpunkt der Nutzung mit Entwicklung und Alltag zusammenwirken.
Wir beschäftigen uns mit Dopamin, Motivation und Belohnungssystem und betrachten mögliche Auswirkungen schnell verfügbarer digitaler Reize auf Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenhang zwischen Bildschirm- und Kunstlicht, Melatonin und Schlaf sowie auf der Entwicklung sinnvoller Medienroutinen.
Wenn Kinder körperliche Beschwerden entwickeln
Am Beispiel von Kopfschmerzen, Migräne, Bauchmigräne und ausgewählten Verdauungsbeschwerden betrachten wir mögliche Einflussfaktoren wie Stress, Schlaf, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Licht, Lärm und Mediennutzung.
Dabei geht es nicht darum, Beschwerden vorschnell auf eine einzelne Ursache zurückzuführen, sondern mögliche Zusammenhänge zu erkennen und sinnvoll einzuordnen.
Der Kurs ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Therapie. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden sowie deutlichen Entwicklungs- oder Verhaltensveränderungen ist eine entsprechende medizinische oder therapeutische Abklärung erforderlich.
Vom Wissen in die Praxis
Anhand konkreter Fallbeispiele werden die verschiedenen Themen miteinander verbunden und auf Situationen aus Therapie, Beratung und Alltag übertragen.
Welche Ressourcen sind vorhanden? Wo zeigen sich mögliche Belastungsfaktoren? Welche Zusammenhänge könnten eine Rolle spielen – und an welchen Stellen lässt sich sinnvoll unterstützen?
So entsteht aus den einzelnen Themen ein Gesamtbild, das einen differenzierten Blick auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht.
Schwerpunkte des Online-Kurses
- Entwicklung von Nervenzellen, Synapsen und neuronalen Netzwerken
- Neuroplastizität, sensible Entwicklungsphasen und BDNF
- Präfrontaler Cortex, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation
- Bindung, Co-Regulation und soziale Sicherheit
- Schlaf, Tagesrhythmus und Erholung
- Bewegung, Spiel, Natur und Lernen
- Stress, Überforderung und Reizverarbeitung
- Ernährung und wichtige Nährstoffe in der Entwicklung
- Darm-Hirn-Achse, Mikrobiom und Immunsystem
- Dopamin, Motivation und Belohnungssystem
- Digitale Medien, Bildschirmlicht und Schlaf
- Kopfschmerzen, Migräne, Bauchmigräne und Verdauungsbeschwerden
- Schutz- und Belastungsfaktoren im Kindes- und Jugendalter
- Fallbeispiele und Praxistransfer
Pädiatrie im Fokus – Das kindliche Gehirn verbindet neurobiologische Grundlagen mit wichtigen Einflüssen aus Körper, Beziehung, Lebensstil und Umwelt. Der Kurs vermittelt damit ein fundiertes Verständnis dafür, was das kindliche Gehirn in seiner Entwicklung braucht, was es stärken kann und welche Faktoren besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Kursinfos
2-Tage Online Kurs
Fortbildungspunkte: 17
1. Tag: 9.00 - 17.00 Uhr
2. Tag: 9.00 - 15.00 Uhr